warum muss man behandeln?

Anpassung an das System

Wenn wir für unsere Kinder das Beste wollen, dann müssen wir uns entschließen irgend etwas zur Anpassung der Kinder an das System, an die Gesellschaft, zu veranlassen. Anpassung an das System bedeutet hier bessere Chancen in der Zukunft. Es gibt leider keine allgemeine Akzeptanz der Vorteile von ADS / ADHS, es gibt auch keine speziellen Schulen, die diese Vorteile der Kreativität nutzen. Auch sind die meisten Eltern unter anderem wegen fehlender institutioneller Unterstützung mit sinnvoller Erziehung dieser Kinder überfordert.

das Leiden der Kinder

Das Leiden der Kinder unter ihrer Ausgrenzung bei ADS / ADHS schmerzt beide, Erzieher und Kinder. Das allein ist ein Grund für die Notwendigkeit einer Behandlung. Wenn ein Kind spürt, dass es dauernd aneckt, nichts richtig macht, immer nur getadelt wird, dann entwickeln sich zunehmend aggressive und für die Umgebung unverständliche Verhaltensweisen zur Erreichung von Aufmerksamkeit. Dies führt selbstverständlich zu einer Verstärkung des Verhaltens der Erzieher und der Kinder im Sinne von weiterem Tadel und Bestrafung. Aus dieser "Gewaltsspirale" können die Kinder kaum entkommen.

Fehleinschätzung

ADS / ADHS Kinder werden bezüglich ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit häufig komplett unterschätzt. Durch mangelnde Förderung in der schulischen Ausbildung kommen diese Kinder nicht an ihre eigentlichen intellektuellen Ressourcen heran. Folgen sind häufig schlechte Noten und letztlich Resignation auf allen Seiten, Eltern, Lehrer und Kinder. Oft verbauen sich diese Kinder eine höherwertige schulische Ausbildung und einen höherwertigen Abschluss. Wird später ein kreativer Beruf ausgeübt, dann sind diese Kinder häufig die besten. Um aber zu kreativen Berufen zu kommen, benötigt man in der Regel gute Schulabschlüsse.

das Leiden der Eltern

Eltern leiden unter ihren ADS / ADHS Kindern erheblich, weil sie schwer zu erziehen sind, häufig anecken und meist schlecht in den Schulleistungen sind. Anfangs imponieren sie als nicht beruhigbare Schreikinder mit Schlafstörungen, im Kindergarten sind sie schwer integrierbar, stören häufig, sind auch eher gewalttätig, in der Schule sind sie die Klassenkasper und Unruhestifter oder Tagträumer. Zuhause sitzen sie stundenlang an Hausaufgaben und haben Lernschwierigkeiten. Mütter und Väter arbeiten häufig ungeduldig mit ihnen und unterstützen sie, ihre Schulpflichten einigermaßen korrekt zu erledigen. Trotzdem spiegelt sich der Aufwand nicht in den Schulnoten wider.

Darum muß man sie behandeln

Wegen des Leidens der Kinder, der Eltern und der Lehrer muß man sie behandeln, irgendwie! Meiner Meinung nach ist die Art der Behandlung unwesentlich, Hauptsache sie führt zu Erfolg.
Leider haben viele Menschen Vorurteile gegenüber nicht "natürlichen" Behandlungen und schließen so auch sehr wirksame Therapien zum Wohle der Kinder für sich aus.
Wichtiger ist es für manche Eltern ihre Glaubenssätze nicht zu verletzen, als ihren Kindern eine gute Chance auf Erfolg zuzugestehen.
Ein Glaubenssatz der Psychotherapie ausschließt wäre: "Mein Kind ist doch seelisch normal und nicht verrückt!"
Ein Glaubenssatz der Pharmakotherapie ausschließt wäre: "Mein Kind braucht keine Psychopharmaka und Chemie ist Gift"
Glaubenssätze sind in aller Regel dumme Vorurteile und stellen eine erhebliche Einschränkung der verfügbaren Möglichkeiten dar.