wie kann man sie behandeln?

Behandlung mit Ritalin

Hier steht Ritalin nur als Beispiel der bekanntesten medikamentösen Behandlungsform. Ritalin ist das erste und wohl derzeit auch das wirksamste Medikament zur Behandlung von ADS / ADHS.
Der grundsätzliche Ansatz dieses Medikaments in der Hirnphysiologie dürfte die Steigerung der Leistungsfähigkeit unterentwickelter Hirnbereiche sein. Ich beschreibe im folgenden die normalerweise auftretenden Effekte bei ADS / ADHS, vorausgesetzt die Diagnose stimmt.
Kurz nach erster Einnahme einer angepassten Dosis von Ritalin bemerkt man bei hyperkinetischen Kindern eine deutliche Reduktion der überschüssigen Motorik. Die Kinder werden motorisch und verbal ruhiger, so dass sich für Eltern auch das Bild einer gewissen Traurigkeit zeigen kann. Aufgrund der Wirkungsdauer von Ritalin muss dieses Medikament zweimal am Tag gegeben werden, am besten vor dem Frühstück und nachmittags vor 14:00 Uhr. Eine spätere Einnahme kann zu Schlafstörungen führen.
Im Laufe der nächsten Wochen bemerkt man eine zunehmende Konzentrationsfähigkeit und weniger Probleme bei den Hausaufgaben. Die Leistungen in der Schule beginnen zu steigen und die Bewertung durch den Lehrer verändert sich. Die Integration in die Klasse verbessert sich, störende Verhaltensweisen, wie Klassenkasper, stören im Unterricht, ungezügeltes Verhalten reduzieren sich zunehmend.
Insgesamt wird die psychosoziale Leistung und die intellektuelle Leistung der betroffenen Kinder erheblich verbessert. Sollten diese Effekte binnen vier Wochen nicht deutlich zu spüren sein, dann muss man sich die Frage stellen, ob die Behandlung die richtige ist oder ob die Diagnose korrekt gestellt wurde.

Ergotherapie und Entspannungstherapie

Diese zwei grundlegenden Behandlungformen sind eine ideale Ergänzung zu jeder Form der Behandlung von ADS/ADHS Kindern. Mit Ergotherapie werden Leistungen im sensomotorischen Bereich aufgebaut, was letztlich den Selbstwert stärkt, feinmotorische Fähigkeiten verbessert, und das Kind in Schule und im Freundeskreis erfolgreicher sein lässt. Diese Behandlungsform benötigt Zeit und Geduld und sollte bei jedem Patienten zusätzlich zur Basisbehandlung durchgeführt werden.
Mit der Entspannungstherapie können überschüssige Kräfte und innere Nervosität abgeleitet werden, Entspannungstherapie bei ADS/ADHS Kindern bedarf jedoch besonderer Ausbildungen und Techniken. Nicht jedes Kind lässt sich auf Entspannung in dieser Art ein.

Psychotherapie

Psychotherapie ist in der Lage viele Dinge zu verändern, somit kann man auch betroffene Kinder besser der Gesellschaft anpassen. Dies ist jedoch ein langwieriger und unsicherer Prozess. Speziell für dieses "Erkrankungsbild" benötigt man Therapeuten, die Erfahrung auf diesem Gebiet haben.
Normalerweise muss man beim ADS auch die Familie mit einbinden. Man muss Verständnis für die Lage des Kindes schaffen, Hinweise für Erziehung geben, Toleranz aufbauen und beide Parteien, Kinder wie Eltern, über einen langen Zeitraum für diesen Behandlungsprozess motivieren.
Die Erfolge kommen langsam und vielleicht nicht ganz so, wie es sich Eltern und Kinder wünschen. Rein organisch (hirnphysiologisch) gesehen bleibt das Leistungsdefizit bestehen, der Umgang damit wird jedoch leichter. Man wird neue Ressourcen entdecken und diese ausbauen, was schon einem Therapieerfolg entspricht. Die Aufmerksamkeit kann durch Konditionierung gesteigert werden damit sollte sich auch die Bewertung in der Schule verbessern.
Insgesamt verlangt Psychotherapie einen langen Atem, Zeit, Geld und vor allem ein erhebliches Engagement der Eltern.

homöopathische Therapie

Homöopathie kann viel, wenn sie richtig eingesetzt und mit psychotherapeutischen Maßnahmen ergänzt wird. Dabei ist es meiner Einschätzung nach notwendig auch bedingungslos an die Wirksamkeit der Homöopathie zu glauben. Dennoch kann ich hier keine Lanze für die Homöopathie brechen, da die von mir beobachteten Ergebnisse bei ADS / ADHS dürftig sind.
Für Eltern, die grundsätzlich gegen die Methoden der klassischen Medizin eingestellt sind empfehle ich dennoch einen Versuch mit Homöopathie. Letztlich sollte man nichts unversucht lassen um dem Kind seine volle Chance im späteren Leben zu ermöglichen.
Wenn der gewünschte Erfolg nicht eintritt, plädiere ich dringend für einen Versuch mit den schulmedizinisch anerkannten Medikamenten.

Wechsel des Schulsystems

Eine weitere Möglichkeit besser mit den Folgen von ADS/ADHS umzugehen stellt möglicherweise auch ein Schulwechsel dar. Ich halte das jedoch nur für eine ergänzende Maßnahme und für keine ausreichende Therapie. Das Verhältnis von Lehrer zu betroffenem Kind ist häufig durch das auffällige Verhalten und die schlechten Lernerfolge erheblich und nachhaltig gestört. Ein Schulwechsel gibt dem Kind eine neue Chance, wobei natürlich unverändertes Verhalten des Kindes in der anderen Umgebung einer neuen Schule schnell wieder zu den gleichen Problemen führen kann.
Bietet die neue Schule jedoch mehr Raum für Kreativität, dann kann sich das Kind mit seinen kreativen Ressourcen besser ausleben und mehr Leistung bringen. So würde gegebenenfalls der Wechsel von einer naturwissenschaftlichen in eine musische Schule einen echten Erfolg darstellen können.

Therapie der Eltern

Wie schon oben erwähnt ist es essenziell notwendig, dass sich das Verhalten der Eltern dem Kind anpasst. Schimpfen, mahnen, bestrafen wird bei ADS/ADHS so gut wie nichts, verändert bloß die Führbarkeit des Kindes negativ. Also müssen Eltern darauf trainiert werden andere wirksamere Verhaltensweisen für Erziehung einzusetzen. Manchmal ist das schwieriger als die Behandlung des Kindes. Nur allein mit Verständnis kommt man normalerweise allerdings auch nicht wesentlich weiter, denn die Gesellschaft hat ja auch kein Verständnis für diese Verhaltensweisen.
So müssen Eltern und Erzieher den ganz schmalen Grat zwischen Verständnis und korrigierender Erziehung gehen, um das maximal mögliche für das Kind zu erreichen.
Meiner Einschätzung nach reicht Therapie der Eltern nicht aus um dem Problem ADS/ADHS ausreichend gerecht zu werden. Bei dieser Störung haben die meisten Eltern auch kein Verständnis dafür, dass sie alleine behandelt werden sollten, wenn doch das Kind das eigentliche Problem hat.